Archiv 2011

19. August 2011 – 20:48 Uhr

Nepomuk: Der doppelte Heilige

Der denkmalgeschützte Bildstock des Brückenheiligen in Clörath. Für den WZ-Fotografen hat Harald Rüttgers das Eisengitter vor der Heiligenfigur geöffnet. FOTO: Kurt Lübke

Von Kerstin Reemen und Werner Dohmen

Die Anrather Familie Rüttgers ist mit den beiden Heiligenfiguren besonders eng verbunden.

Anrath. Im Zusammenhang mit der freudigen Wiederkehr des Heiligen Nepomuk nach Anrath ist ein Name bisher nicht erwähnt worden: Der von Jakob Rüttgers. Dabei ist sein Name – und nach seinem Tod der seines Sohnes Harald – eng mit dem Heiligen Nepomuk verknüpft. Nepomuk „wacht“ von ihrem Grundstück aus.

Der Reihe nach: 1968 hat Jakob Rüttgers das Firmengelände an der Viersener Straße 132 gekauft, auf dem die Kapelle des Schutzheiligen steht. 1985 wurde sie zum Denkmal erklärt. In der Mitteilung der Stadt Willich an Jakob Rüttgers „über die Eintragung eines Denkmals in die Denkmalliste“, datiert vom 9.8.1985, steht: „Bei der Statue in Anrath-Vennheide handelt es sich um eine einfache Bauernarbeit, die nach der Überlieferung von einem Schlossmacher aus Clörath geschnitzt wurde.“ Die Untere Denkmalbehörde stellt samt Aktenzeichen fest: „Erhaltung u. Nutzung der Nepomuk-Kapelle liegen aus wissenschaftl. und volkskundlichen Gründen im öffentl. Interesse.“

1992 wird der Heilige aus dem Kapellchen gestohlen

1990 bekommt die Nepomuk-Kapelle die Denkmalplakette. Die entsprechende Urkunde, unterzeichnet vom damaligen Ministerpräsidenten Johannes Rau, geht an Jakob Rüttgers. Auf ihr steht zu lesen: „In Anerkennung der Verpflichtung, das Denkmal im Interesse der Allgemeinheit zu erhalten und so zur Bewahrung des kulturellen Erbes in Nordrhein-Westfalen beizutragen.“

1992 wird der Heilige Nepomuk aus der Kapelle gestohlen. Jakob Rüttgers stellt eine Anzeige wegen Diebstahls bei der Staatsanwaltschaft. Der Täter wird nicht ermittelt, das Verfahren bald eingestellt. 1993 gibt Jakob Rüttgers eine neue Figur in Auftrag. Albert Tschurtschenthaler aus Sexten in Südtirol (Italien) fertigt sie an. Ein Anrather Schütze hat den Kontakt hergestellt.

Im Januar 1994 wird die Figur, die der alten Statue so gut wie möglich nachgebildet worden ist, geliefert. Bezahlt hat sie Jakob Rüttgers, insgesamt knapp über 4000 Mark. Sie wird diebstahlsicher eingebaut.

„Für mich ist wichtig, wie wir denkmalrechtlich mit der Figur umgehen.“

Die Schützen regen an, nun auch die Kapelle zu verschönern. Sie bekommt ein Kupferdach und ein Kreuz auf der Spitze, das Mauerwerk wird sandgestrahlt. Kosten: 5756 Mark. 2000 Mark gibt die Stadt, den Rest spenden die Schützen, sagt Harald Rüttgers.

Im Mai 2011 erfährt er aus der Zeitung, dass die alte Nepomuk-Figur wieder aufgefunden und schon wieder in Anrath, genauer gesagt im Haus von Vizebürgermeister Dieter Lambertz, aufbewahrt wird. Harald Rüttgers besucht Nepomuk bei Lambertz, bekommt auch eine Einladung zur Heiligen Messe in St. Johannes.

In der Familie Rüttgers ist man dennoch irritiert. Denn die Überlegungen, wo der alte und der nach dem Diebstahl neue Nepomuk künftig zu stehen kommen, vollziehen sich bisher ohne sie. Dabei zahlt Harald Rüttgers seit Jahren – wie sein Vater zuvor – für die neu angefertigte Nepomuk-Figur die Versicherung gegen Diebstahl, Sturm, Vandalismus und Feuer. Rüttgers hat sich deshalb an die Denkmalbehörde gewandt.

Stellvertreter ist diebstahlsicher eingebaut

Die Eigentumsverhältnisse spielen für Linda Zensen, Denkmalschützerin bei der Stadt Willich, keine Rolle. „Für mich ist wichtig, wie wir denkmalrechtlich mit der wieder aufgefundenen Figur umgehen“, sagt sie im Gespräch mit der WZ.

Es sei eigentlich klar, dass der Original-Heilige in die geschützte Kapelle gehöre. Andererseits sei sein Stellvertreter aus Südtirol dort so gut eingebaut worden, dass möglicherweise bei der Entfernung eine Beschädigung der Bausubstanz drohe. „An der Klärung dieser Sache sind wir dran“, sagt Zensen. Auf jeden Fall sei klar, dass über den künftigen Standort des Nepomuk die Untere Denkmalbehörde ein gewichtiges Wort mitzusprechen habe.

Quelle: WZ



26. Juni 2011 – 19:37 Uhr

Kleiner Ort, große Feier

Ehrengast bei der Parade: Ex-Beigeordneter Wilhelm Spee. FOTO: Friedhelm Reimann

Von Rudolf Barnholt

In Clörath-Vennheide gibt es in diesem Jahr viele Änderungen, die gut ankommen.

Clörath-Vennheide. Ein Zelt, eine vom Regen aufgeweichte Wiese, eine Fritten- und Würstchenbude, sonst nichts: Das hört sich ziemlich trostlos an, ist es aber nicht, im Gegenteil. In Clörath-Vennheide wird mit befreundeten Schützen ausgelassen Schützenfest gefeiert. Man hat dort zwar nicht das Fest neu erfunden, aber in diesem Jahr gibt es ungewöhnlich viele Änderungen.

Der Präsident kommt aus den Reihen der „Roten Husaren“

Marcus Herold erlebt das Schützenfest in Clörath-Vennheide erstmals als Präsident. Der 35-jährige „Rote Husar“ hat die Nachfolge von Manfred Teckenburg angetreten und kann sich freuen, dass bis jetzt alles glatt über die Bühne gegangen ist.

Am Freitag konnten die Uniformen noch im Schrank bleiben. Bei der Party „Clörath brennt“ sorgte zum ersten Mal keine Live-Band für Stimmung, sondern DJ Andy von der Skihalle Neuss. Rund 500 Besucher kamen, Andy wurde den Erwartungen mehr als gerecht – Experiment geglückt.

Eine weitere Premiere: Das Königspaar, Paul und Renate Frelich, wird erstmals von einer Ministerin unterstützt: Ruth Mertens stammt aus Bayern und heiratete in die Familie von der Clörather Mühle ein. Ehemann Ludwig macht als schmückendes Beiwerk mit. Zum Königshaus gehören außerdem das Ministerpaar Hermann und Renate Thees sowie der Königsoffizier Axel Krüger und Ehefrau Petra.

Zum ersten Mal war der Eintritt ins Zelt frei, dafür kostete das Bier etwas mehr. Der Besuch war ähnlich gut wie in den vergangenen Jahren. Am Samstag waren Gastschützen der Willicher Sebastianer, vom ASV Willich, von Klein Jerusalem und von den Neersener Sebastianern gekommen. Am Sonntag halfen Schützen aus Anrath, Schiefbahn, Süchteln-Hagen und vom Grenzweg, das Zelt zu füllen. Bereits an Fronleichnam waren Schülerprinz Jan-Peter Köttelwesch und der Jugendprinz René Engels ermittelt worden.

Erstmals gibt es keinen Schützenfest-Dienstag mehr. Der Dorfabend, der sonst immer am Montag auf dem Programm stand, entfällt ebenfalls. Der Königsvogelschuss findet heute Nachmittag am Reiherweg statt. Marcus Herold geht davon aus, dass es mindestens einen Bewerber geben wird – immerhin feiert die Schützengesellschaft Clörath-Vennheide im kommenden Jahr ihr 350-jähriges Bestehen.

Zu den Höhepunkten in Clörath-Vennheide gehören die Paraden mit einer Fülle unterschiedlicher Uniformen, mit kleinen und großen Schützen, mit Männern und Frauen. General Burkhard Meifahrt hatte neben den eigenen 150 Schützen noch einige Dutzend Gastschützen unter sich. Sonntag Vormittag herrschte während des Zapfenstreichs, gespielt vom Tambour- und Fanfarencorps St. Sebastianus Willich und vom Musikverein Vynen, andächtige Ruhe unter den Schützen.

Quelle: WZ