{"id":60,"date":"2013-08-28T16:29:02","date_gmt":"2013-08-28T14:29:02","guid":{"rendered":"http:\/\/xn--johannes-schtzen-uzb.de\/?page_id=60"},"modified":"2021-10-26T22:07:34","modified_gmt":"2021-10-26T20:07:34","slug":"bis-1975","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/johannes-schuetzen.de\/?page_id=60","title":{"rendered":"Geschichte bis 1975"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Geschichte der St. Johannes Sch\u00fctzengesellschaft bis 1975<br>Von Gottfried Daum \u2020<br>Schon lange geh\u00f6ren die gro\u00dfen Sch\u00fctzenfeste in Anrath der Vergangenheit an. Das Sch\u00fctzensilber der Anrather Sch\u00fctzengesellschaften gibt wegen seiner Unvollst\u00e4ndigkeit nur noch wenig Zeugnis einer traditionsbewussten Sch\u00fctzengeschichte. Die St. Sebastianusbruderschaft &#8211; die \u00e4lteste Sch\u00fctzenbruderschaft Anraths &#8211; verkaufte ihr K\u00f6nigssilber im Jahre 1835 f\u00fcr 61 Taler und 7 Groschen. Auch das Silber der B\u00fcrgersch\u00fctzen (B\u00f6rgersch\u00fctzen) besteht nur noch aus einem kleinen Rest von Platten und stelllt keine zusammenh\u00e4ngende Sch\u00fctzenkette mehr dar. Lediglich das K\u00f6nigssilber des &#8222;Buure Spell&#8217;s&#8220; (St. Johannes Sch\u00fctzengesellschaft Cl\u00f6rath) ist seit dem Jahr 1662, allerdings mit zeitbedingten L\u00fccken, noch vollst\u00e4ndig vorhanden und besteht aus einer Kette mit 80 Platten, je im Gewicht von 2 alten Loth (altes deutsches Apothekergewicht &#8211; 14,60 bis 17,50 Gramm). Die Motive der Platten bestehen vorwiegend aus der Darstellung von Namensheiligen, von pfl\u00fcgenden Bauern, einige Platten mit Wappen und der Darstellung der Cl\u00f6rather \u00d6l- und Getreidem\u00fchle. Die Platten geben, von wenigen Ausnahmen abgesehen, einen genauen Aufschluss \u00fcber die Besitzer der alten H\u00f6fe, die sich als Sch\u00fctzenk\u00f6nige namentlich zu erkennen geben. Bis 1887 umfasste der Schtzenbezirk die Honschaftsteile Cl\u00f6rath, Vennheide, Hagwinkel und Giesgesheide sowie den Bruch, soweit er zur Honschaft geh\u00f6rte. Nach Streitigkeiten wegen der Erhebung des K\u00f6nigsgeldes trennte sich die Gesellschaft in die Sch\u00fctzengesellschaften Cl\u00f6rath und Vennheide, beide behielten den Namen &#8222;St. Johannes Sch\u00fctzengesellschaft&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright\"><img  title=\"\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.johannes-schuetzen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/1-pfarrkirche.jpg\"  alt=\"1-pfarrkirche Geschichte bis 1975\" \/><figcaption>Die alte Pfarrkirche von Anrath um 1896. Der \u00e4lteste Teil wird ins 11. Jahrhundert datiert. In dieser Kirche soll ein Taufstein gestanden haben, dessen Alter in das 10. Jahrhundert datiert wurde. 1896\/97 wurde die Kirche abgebrochen und die jetzige Kirche nach Fertigstellung 1898 geweiht.<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Au\u00dfer wenigen Hinweisen aus der allgemeinen Heimatgeschichte sind keine \u00e4lteren Schriftunterlagen \u00fcber die Sch\u00fctzengesellschaft vorhanden. Ab 1887 ist ein Kassenbuch vorhanden, da\u00df zur Auswertung kam. Evtl. vor diesem Zeitpunkt vorhandene schriftliche Unterlagen gingen verloren. Auch Peter Vander konnte bei der Beschreibung des Spell&#8217;s der Schager Heide im Heimatbuch 1963 nicht auf \u00e4ltere Unterlagen zur\u00fcckgreifen.<br>Hier soll versucht werden, die Geschichte des \u201eBuure Spells&#8220; nachzuverfolgen. Deshalb soll die allgemeine Entwicklung der Sch\u00fctzengesellschaft aus einem wehrhaften Bauernverband behandelt werden, denn, da\u00df diese Sch\u00fctzengesellschaft ihre Urspr\u00fcnge im Wehrverband der Bauern in der Honschaft Unterbruch hatte, daran kann kein Zweifel bestehen.<br>F\u00fcr die Erarbeitung dieser Geschichte danke ich den Sch\u00fctzenbr\u00fcdern Jakob Schmitter, Franz Grefertz, dem inzwischen verstorbenen Johannes Hegger sowie der Familie Adrian, die den Nachlass der Sch\u00fctzengesellschaft verwahrt.<br>Der geschichtlichen Darstellung der Sch\u00fctzengesellschaft soll zun\u00e4chst eine Aufstellung der Sch\u00fctzenk\u00f6nige vorangestellt werden, mit dem Versuch, deren Herkunft von den einzelnen H\u00f6fen festzustellen.<br>Bei diesem Versuch wurden alte Hofurkunden, die verschiedensten Listen \u00fcber \u00f6ffentliche Abgaben und verschiedene heimatkundliche Arbeiten zugrunde gelegt.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter\"><img  title=\"\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.johannes-schuetzen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/3-HausCloerath.jpg\"  alt=\"3-HausCloerath Geschichte bis 1975\" \/><figcaption>Haus Cl\u00f6rath um 1730 &#8211; Tuschzeichnung auf Pergament<br>Im Vordergrund die Getreidem\u00fchle (Kreisarchiv Viersen)<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn auch die \u00e4lteste Sch\u00fctzenplatte aus dem Jahre 1662 datiert, so ist die Gr\u00fcndung dieser Gesellschaft in weit fr\u00fcherer Zeit zu suchen. F\u00f6hl weist im HB 1963 darauf hin, da\u00df das niederrheinische Sch\u00fctzenwesen seine besondere Pr\u00e4gung in den Jahren 1560 bis 1650 erfuhr, als in den Wirren der Jahre 1570 bis 1590 durch landesherrliche Verordnung das Sch\u00fctzenwesen gestrafft wurde. Die Sch\u00fctzengesellschaften hatten von alters her in ihrem aktiven Gemeinschaftsleben zwei gro\u00dfe Aufgaben wahrgenommen. In Zeiten kriegerischer Wirren sch\u00fctzten sie ihre heimatlichen H\u00f6fe und die Feldfrucht ihres Sch\u00fctzenbezirkes. In Zeiten des Friedens pflegten sie prunkvolle Aufz\u00fcge bei kirchlichen Veranstaltungen und veranstalteten Spiele, wie das Vogelschie\u00dfen mit allerlei Lustbarkeiten. Auch stand die Pflege des b\u00e4uerlichen Brauchtums im Mittelpunkt, soweit es hierf\u00fcr einen Anla\u00df gab. Wenn Peter Vander im HB 1963 feststellt, da\u00df vermutet werden k\u00f6nnte, da\u00df es eine Junggesellenvereinigung gewesen sein k\u00f6nnte, dagegen aber die verheirateten Sch\u00fctzenk\u00f6nige dagegensprechen w\u00fcrden, so h\u00e4ngt dies weitgehend mit der Pflege des Brauchtums zusammen. Die Sch\u00fctzengesellschaft im Unterbruch war die einzige Vereinigung, in der sich das gesellige Gemeinschaftsleben im westlichen Unterbruch abspielte. Bestimmte Aufgaben wurden nur von den Junggesellen wahrgenommen, obwohl sie eine Angelegenheit der gesamten Nachbarschaft waren. Das \u201eKr\u00e4nzen&#8220; und das \u201eMaibaumstecken&#8220; hat sich aus diesem Brauchtum noch bis heute erhalten.<br>Sicher hat die Sch\u00fctzengesellschaft schon ihre Anf\u00e4nge im Truchsessischen Krieg, wo sich allenthalben wehrhafte Bauernschaften zusammentaten, um sich in Nachbarschaftshilfe gegen Pl\u00fcnderungen und Brandschatzungen zu wehren. In diesem Kriege wurde besonders Cl\u00f6rath stark in Mitleidenschaft gezogen.<br>\u201eAls die in Cl\u00f6rath liegenden Soldaten damals die Bev\u00f6lkerung der Umgegend hart bedr\u00fcckten, wurde ihnen am 24. Februar 1586 das Ausfallen, Umherstreifen, Berauben, Festnehmen und Fortschleppen der Einwohner (ausfallen, streuffen, rauben, fangen, hinwegschleifen), sowie die feindselige Behandlung der Geldernschen Orte untersagt.&#8220; (Kricker HB 46)<br>Auch brauchte die Burg zu Cl\u00f6rath wehrhafte M\u00e4nner, um die dorthin gefl\u00fcchtete Landbev\u00f6lkerung in unruhigen Zeiten zu sch\u00fctzen. Eine besonders schlimme Notzeit hatte die Bev\u00f6lkerung von Cl\u00f6rath 1642 zu ertragen.<br>\u201eNach der Schlacht auf der St. Th\u00f6niser Heide zwischen kaiserlichen Truppen und einem franz\u00f6sisch-weimarisch-hessischen Heere im Januar 1642 zog ein Teil der siegreichen Hessen und Weimaraner \u00fcber Anrath nach Cl\u00f6raih. Die Burg wurde erst\u00fcrmt, ausgepl\u00fcndert und in Asche gelegt.&#8220; (Kricker HB 51)<br>Wahrscheinlich wurden auch alle Ci\u00f6rather H\u00f6fe in Asche gelegt. Ein F\u00fcnftel der m\u00e4nnlichen Bev\u00f6lkerung wurde erschlagen. Die Hessen blieben ann\u00e4hernd 10 Jahre im Land und bedr\u00fcckten die Landbev\u00f6kerung aufs \u00e4rgste. Steuer und Unterhalt der einquartierten Truppen waren derart hoch, da\u00df es zu einer hohen Verschuldung der H\u00f6fe kam.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter\"><img  title=\"\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.johannes-schuetzen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/4-HausCloerath.jpg\"  alt=\"4-HausCloerath Geschichte bis 1975\" \/><figcaption>Haus Cl\u00f6rath um 1730 &#8211; Tuschzeichnung auf Pergament<br>Im Hintergrund das Schloss, links die \u00d6lm\u00fchle und rechts die Getreidem\u00fchle.<br>(Kreisarchiv Viersen)<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201e\u00dcbergriffe der einquartierten Truppen blieben nicht aus. So begingen 1666 pfalzneuburgische Truppen in Kehn schwere Ausschreitungen. Den Bewohnern des Gietherhofes nahmen sie ihr ganzes Geld ab und schickten sich an, das Geb\u00e4ude in Brand zu setzen. Da taten sich die Nachbarn, Anrather, Liedberger und Kleinkempener, zusammen, ergriffen die \u00dcbelt\u00e4ter, setzten sie f\u00fcr eine Nacht fest und f\u00fchrten sie am n\u00e4chsten Tage zur Bestrafung auf Schlo\u00df Liedberg.&#8220; (Kricker HB 376)<br>Auf Grund eines Vertrages im Jahre 1666 zwischen dem Kurf\u00fcrsten Maximilian von K\u00f6ln und K\u00f6nig Ludwig XIV. von Frankreich kam viel Unheil \u00fcber unser Land. \u00dcber hundert Jahre wurde durch wechselndes Kriegsgl\u00fcck zwischen den kaiserlichen und franz\u00f6sischen Truppen unser Land verw\u00fcstet, gepl\u00fcndert und gebrandschatzt. Hierbei spielte oft die Niers als nat\u00fcrliche Grenze zwischen Herrschaftsgebieten eine bedeutende Rolle. Dauernde Truppeneinquartierungen und herumstreifende Banden von entlassenen Soldaten bedr\u00fcckten das Land. Wenn auch gegen gro\u00dfe Truppenbewegungen kein Schutz zu bieten war, so konnten die H\u00f6fe und Feldfr\u00fcchte au\u00dferhalb des Dorfes Anrath durch eine wehrhafte Sch\u00fctzengesellschaft gegen herumstreifende Banden in Schutz genommen werden. Zu diesen Zeiten wird die Wehrhaftigkeit der Cl\u00f6rather Bauern mit Sicherheit in der Sch\u00fctzengesellschaft ihre organisatorische Basis gehabt haben.<br>1678 \u00fcberquerten die franz\u00f6sischen Truppen hei Cl\u00f6rath die Niers und marschierten gegen Kempen. Hierbei wurden die auf den H\u00f6fen lagernden Feldfr\u00fcchte geraubt; es galt, franz\u00f6sische Truppen mit allerlei Abgaben zufriedenzustellen. Trotz der ununterbrochenen Kriegswirren taucht im Jahre 1718 erneut ein Sch\u00fctzenk\u00f6nig unter dem Rentheber von Neersen und Cl\u00f6rath und Gerichtsschreiber der Herrlichkeit Neersen, Ferdinand Lanck, auf. Gleichzeitig Sekretarus des Herrn von Virmond, war er eine der angesehensten und einflu\u00dfreichsten Pers\u00f6nlichkeiten seiner Zeit. Er wachte \u00fcber den Rechtszustand und \u00fcber die Verwaltungspraxis der Herrlichkeit Neersen. War es Interesse am wehrhaften Bauernverband der Cl\u00f6rather Sch\u00fctzen oder war es Klugheit von ihm, sein recht schwieriges Amt als Rentheber f\u00fcr Cl\u00f6rath durch die finanzielle Ausgestaltung eines Sch\u00fctzenfestes zu erleichtern? Oder war es Klugheit der Cl\u00f6rather Bauern, sich des Wohlwollens dieser einflu\u00dfreichen Pers\u00f6nlichkeit zu versichern, uni alte Rechtszust\u00e4nde besser wahren zu k\u00f6nnen?<br>Fragen, die wahrscheinlich nie mehr gekl\u00e4rt werden k\u00f6nnen, da viele alte Aufzeichnungen und Urkunden durch den Einmarsch der Franzosen im Jahre 1794 auf dem Neersener Schlo\u00df und in dem Hause des Gerichtsschreibers Molanus vernichtet wurden.<br>Erstaunlich ist jedoch, da\u00df es in Cl\u00f6rath zu Zeiten, wo vielerorts wegen der Wirren keine Sch\u00fctzenfeste veranstaltet wurden ab 1736 nachweislich des Sch\u00fctzensilbers fast j\u00e4hrlich zu Sch\u00fctzenfesten kam. Demnach kann die Cl\u00f6rather Landbev\u00f6lkerung nicht so verarmt gewesen sein, um aufwendige Feste zu feiern. Alte Hofurkunden aus dem 18. Jahrhundert bezeugen, da\u00df es den Cl\u00f6rather Bauern keinesfalls an Thalern fehlte, wenn es galt, Land zu erwerben oder Erbberechtigte auszuzahlen. Da die meisten H\u00f6fe weitab von der Heeresstra\u00dfe lagen und von dichtere Wald umgeben waren, der in Kriesenzeiten f\u00fcr Menschen, Vieh, Hab und Gut einen nat\u00fcrlichen Schutz bot, ist es sicherlich nicht immer zu Pl\u00fcnderungen gekommen, die zu einer Verarmung f\u00fchrten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Jahre 1799 taucht ein Hinweis \u00fcber die Unterbrucher Sch\u00fctzengesellschaft bei Verres und Lentzen auf. Als es im Jahre 1799 zur Aushebung von Soldaten karm und sich die Anrather wehrten, Junggesellen mustern zu lassen, sollte Pastor Spinnes \u00fcber den Rhein hinweggef\u00fchrt werden. Nachdem der Pastor nach K\u00f6ln geflohen war und die Obrigkeit nichts ausrichten konnte, wurde er unter dem Druck der Dorfbewohner durch den Amtmann Lenders vom Neersener Schlo\u00df und anderen Herren wieder in Anrath als Pastor eingef\u00fchrt. \u201eDie Br\u00fcder zogen in Gewer, wie auch die Junggesellen im Dorff und das Spiel vom Bruch und haben herrlich triumbfierth.&#8220; (Verres\/Lentzen 171)<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter\"><img  title=\"\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.johannes-schuetzen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/5-Idylle.jpg\"  alt=\"5-Idylle Geschichte bis 1975\" \/><figcaption>Idylle in der Niersniederung<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser Hinweis aus dem Jahre 1799 ist bis jetzt der \u00e4lteste schriftliche Hinweis, abgesehen vom Sch\u00fctzensilber, vom Unterbrucher Spiel.<br>Trotz der fortdauernden unsicheren Zeiten blieben auch in der Folgezeit die Sch\u00fctzenfeste in Cl\u00f6rath ungest\u00f6rt. Sogar im Jahre 1793, als die \u00f6sterreichischen Truppen in Cl\u00f6rath \u00fcber die Niers eine Br\u00fccke schlugen, fand ein Sch\u00fctzenfest unter dem Sch\u00fctzenk\u00f6nig Ferdinand Felsches statt.<br>Auch im Jahre 1794, kurz bevor die Franzosen bei der Burg in Cl\u00f6rath eine Br\u00fccke \u00fcber die Niers schlugen, feierten die Cl\u00f6rather unter dem Sch\u00fctzenk\u00f6nig Johannes Schager ihr Sch\u00fctzenfest. In diesem Jahr pl\u00fcnderten die Franzosen Anrath und seine Umgebung eine Stunde lang. \u201eDie Dorf und Landbev\u00f6lkerung war in die B\u00fcsche geflohen und hatte ihr Hab und Gut vergraben.&#8220; Die Franzosen schufen im gleichen Jahre neue Verwaltungsbezirke und l\u00f6sten die Honschaft Unterbruch auf. Es wurde 1798 die Mairie (B\u00fcrgermeisterei) Neersen geschaffen, in der Cl\u00f6rath 118 stimmberechtigte Personen z\u00e4hlte.<br>Der unbeugsame Lebenswille der Bev\u00f6lkerung des Unterbruches wird in den Jahren von 1736 bis 1794 durch 45 Sch\u00fctzenk\u00f6nige bezeugt. Bedingt durch die franz\u00f6sische Herrschaft fand man offenbar wenig Lust, zwischen 1794 und 1802 Sch\u00fctzenfeste zu feiern. Ab da jedoch finden wir bis 1883 in kurzen Abst\u00e4nden wiederum 35 Sch\u00fctzenk\u00f6nige, die Zeugnis von einem intensiven Vereinsleben ablegen. Die Pause zwischen 1883 und 1887 ist damit zu erkl\u00e4ren, da\u00df es w\u00e4hrend dieser Zeit zu einem schweren Streit der Unterbrucher Sch\u00fctzengesellschaft kam, zu der ja Cl\u00f6rath, Vennheide, Giesgesheide und Hagwinkel geh\u00f6rten. Schlie\u00dflich kam es 1887 zu einer Trennung zwischen Cl\u00f6rath und den anderen Bezirken. W\u00e4hrend Cl\u00f6rath eine eigene Sch\u00fctzengesellschaft bildete, schlossen sich die anderen Bezirke dem Sch\u00fctzenbund Vennheide an. Beide Sch\u00fctzengesellschaften behielten den hl. Johannes als ihren Sch\u00fctzenpatron. Nach Berichten alter Leute soll damals der Streit um die Erhebung des K\u00f6nigsgeldes entbrannt sein. Wie aus dem Sch\u00fctzensilber der Cl\u00f6rather zu ersehen ist, stellten die Cl\u00f6rather bis dahin 45 feststellbare Sch\u00fctzenk\u00f6nige, w\u00e4hrend die anderen Bezirke nur 15 Sch\u00fctzenk\u00f6nige aufweisen. Im Jahre 1886 wurde in allen Bezirken zum letzten Male K\u00f6nigsgeld kassiert. Bei Trennung der Sch\u00fctzengesellschaft ging die Fahne mit dem Fahnenschrank nach Vennheide, w\u00e4hrend die Cl\u00f6rather das Silber behielten. 1888 schafften die Cl\u00f6rather einen neuen Fahnenschmuck f\u00fcr 24,50 Mark, einen neuen Fahnenkopf f\u00fcr 5,70 Mark und ein Futteral f\u00fcr die Fahne f\u00fcr 0,48 Pfennige an. Offenbar wurde schon vorher die Fahne gekauft. Am 17. November 1897 wurden 88 Pfennige f\u00fcr Schreibzeug f\u00fcr die neuen Statuten ausgegeben. Die neuen Statuten traten 1900 in Kraft. Diese Statuten geben einen guten Einblick auf die Zielrichtung dieser Gesellschaft zu jener Zeit. Daher sollte der volle Wortlaut dem Leser nicht vorenthalten werden:<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter\"><img  title=\"\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.johannes-schuetzen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/6-CloeratherMuehle.jpg\"  alt=\"6-CloeratherMuehle Geschichte bis 1975\" \/><figcaption>Getreidem\u00fchle des Hauses Cl\u00f6rath um 1965.<br>Nach P.Vander wurden die Cl\u00f6rather M\u00fchlen bereits im Jahre 1386 erw\u00e4hnt.<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eStatuten der Cl\u00f6rather St. Johannes Sch\u00fctzengesellschaft zu Cl\u00f6rath, Pfarrgemeinde Anrath, B\u00fcrgermeisterei Neersen<br>Von alter Zeit her, hat zu Cl\u00f6rath eine Sch\u00fctzengesellschaft bestanden. Die Zeit des Entstehens ist nicht genau nachzuweisen, jedoch r\u00fchrt die \u00e4lteste Silberplatte vom Jahre 1662 her.<br>Zu dem Sch\u00fctzenbezirk geh\u00f6rt nur der obere Theil Cl\u00f6raths und zwar von der Grenze des Fl\u00f6thbaches und der Niers, dann von der Oedter Grenze (An den Schmitzstr\u00e4uchern, heute Dellen) bis an dem sogenannten G\u00f6rtzhof (heute Wetters), sowie die Schule und Klaushof (heute M\u00fcller), welche noch zuletzt zu dem obengenannten Bezirke geh\u00f6rte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00a7 1 Der Sch\u00fctzenverein hat den Zweck, durch Aufz\u00fcge sowohl die Hebung der kirchlichen Feste in der Pfarre, als den Patriotismus zu f\u00f6rdern.<br>\u00a7 2 Jeder r\u00f6misch katholische deutsche Einwohner, J\u00fcngling oder Ehemann des Bezirkes Cl\u00f6rath, sofern er bisher einen unbescholtenen Lebenswandel gef\u00fchrt hat, kann wohlberechtigtes Mitglied des Vereins von seinem achtzehnten Lebensjahre an werden, wenn er sein K\u00f6nigsgeld, welches 40 Pfennig betr\u00e4gt, bezahlt. Au\u00dferdem kann auf Beschlu\u00df des Vorstandes jeder unbescholtene in Cl\u00f6rath angesessene Ausl\u00e4nder unter denselben Voraussetzungen Mitglied werden.<br>\u00a7 3 Wenn ein Mitglied ein oder mehrere Jahre sein K\u00f6nigsgeld nicht entrichtet, so mu\u00df er, wenn er wieder an alten Anteil haben will, des in den verflossenen Jahren verweigerte K\u00f6nigsgeld nachbezahlen.<br>\u00a7 4 Der K\u00f6nig und der Vorstand bestimmen die Zeit, wann der Vogel geschossen werden soll. Das Vogelschie\u00dfen mu\u00df in der gew\u00f6hnlichen Weise bekannt gemacht werden, nachdem zuvor die polizeiliche Erlaubnis dazu eingeholt worden ist.<br>\u00a7 5 Nach der Versammlung unter der Vogelstange ist der K\u00f6nig verpflichtet, den Anwesenden laut anzuk\u00fcndigen, da\u00df sie zur Abwendung Ungl\u00fccksf\u00e4lle gemeinschaftlich ein stilles Gebet verrichten m\u00f6gen.<br>\u00a7 6 Nach dem gemeinschaftlichen Gebete werden die Loose ausgetheilt. Ein jeder mu\u00df hier seine Losnummer, die er selbst aus einem dazu bestimmten Gef\u00e4\u00dfe nehmen mu\u00df, zehn Pfennige bezahlen. Die so gesammelte Summe kommt in die Vereinskaste.<br>\u00a7 7 Der K\u00f6nig hat das Recht und die Pflicht, den ersten Schu\u00df zu thuen, und nach dem K\u00f6nigsvogel zu schie\u00dfen. Sodann schie\u00dfen die anderen Mitglieder von Nr. 2 an. Dasjenige Mitglied, welches den Vogel zu Fall bringt, wird als neuer K\u00f6nig anerkannt, und der alte K\u00f6nig ist all seinen Pflichten entbunden.<br>\u00a7 8 Derjenige welcher den K\u00f6nigsscho\u00df thut, erh\u00e4lt die gesammelten K\u00f6nigsgelder zur Bestreitung seiner Kosten. Hierf\u00fcr ist er verpflichtet, eine silberne Platte, welche zwei alte Loth schwer sein mu\u00df, sowie Datum und Ortsnamen enthalten mu\u00df, dem Verein zu schenken. Der K\u00f6nig und die B\u00fcrgen sind verpflichtet, die Platte zu kaufen, ferner mu\u00df der K\u00f6nig beim putzen des Silbers, welches vor dem Fronleichnamsfeste stattfindet und woran sich die Angestellten beteiligen d\u00fcrfen, die erwachsenen Kosten bezahlen.<br>\u00a7 9 Der K\u00f6nig w\u00e4hlt sich den Vorstand unter der Vogelstange, und zwar zwei Mitglieder f\u00fcr das Silber und zwei f\u00fcr die Fahne. Erstere m\u00fcssen im obengenannten Bezirke dauernd ans\u00e4ssig sein. Die B\u00fcrgen sind verpflichtet, zwei Jahre zu bleiben. Nachdem beim Vogelschie\u00dfen die vier neuen gew\u00e4hlt sind, gehen die vier \u00e4ltesten ab und \u00fcbergeben die Schl\u00fcssel von Silber und Fahnenschrank an die beiden folgenden \u00e4ltesten B\u00fcrgen ab.<br>\u00a7 10 Der Vorstand bestimmt das Vereinslokal, welches auch au\u00dferhalb des Sch\u00fctzenbezirkes sein kann,<br>\u00a7 11 F\u00fcr die Rechnungsablage, welche j\u00e4hrlich an einem vom Vorstande dazu bestimmten Tage abgelegt werden mu\u00df, haben die acht B\u00fcrgen zu sorgen, f\u00fcr die fehlende Summe ist der ganze Verein verpflichtet, der Vorstand hat jedoch zu bestimmen, auf welche Art und Weise das Fehlende herbeigeschafft werden soll.<br>\u00a7 12 Die B\u00fcrgen m\u00fcssen nach den Kirmestagen das K\u00f6nigsgeld von Haus zu Haus abholen und den Betrag dem K\u00f6nige ausbezahlen. Der K\u00f6nig ist verpflichtet, am Abend des letzten Kirmestages an welcher\u00bb aufgezogen worden, seine Platte den B\u00fcrgern zu \u00fcbergeben.<br>\u00a7 13 Aus dem Verein mu\u00df ausgeschlossen werden: 1) wer nach seinem Eintritt eine unbescholtene Lebensweise nicht f\u00fchrt. 2) wer mit den Strafgesetzen mehrmals in Conflikt gekommen ist. 3) wer in sittlicher Beziehung sich gegen den Anstand und kirchlichen Bestimmungen vergangen hat. \u00dcber den Ausschlu\u00df entscheidet die Generalversammlung.<br>\u00a7 14 Erg\u00e4nzungen oder Ver\u00e4nderungen der gegenw\u00e4rtigen Statuten k\u00f6nnen durch die Generalversammlung beschlossen werden.<br>\u00a7 15 Streitigkeiten im Verein werden, im Falle eine Einigung nicht erzielt wird, von dem B\u00fcrgermeister zu Neersen entg\u00fcltig entschieden und haben sich die Parteien dessen Schiedsspruch zu unterwerfen. Vorstehende Statuten werden in der heutigen Generalversammlung vorgelesen und zum Zeichen der Genehmigung von den anwesenden Mitgliedern unterschrieben um sie der hiesigen Ortsbeh\u00f6rde zur Genehmigung vorzulegen.<br>Cl\u00f6rath, den 16. 12. 1900<br>(Unterschriften teilweise unleserlich) Der Vorstand:<br>Peter Sassen<br>Peter St\u00fcttgens<br>Mathias J\u00f6gkes<br>August Dors<br>Peter Maa\u00dfen<br>Die Mitglieder:<br>Heinrich Hax, Johannes Pierkes<br>Peter Wahlen, Johann Laufen<br>Theodor Baches, Jakob Schmitter<br>Johann Hegger, Heinrich Dammers<br>Heinrich Vervoorth, Josef Rams<br>August Maa\u00dfen, Peter Schmitter<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft\"><img  title=\"\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.johannes-schuetzen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/7-Niers.jpg\"  alt=\"7-Niers Geschichte bis 1975\" \/><figcaption>Die Niers, der Fluss unserer Heimat.<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Obwohl die neue Satzung der Sch\u00fctzengesellschaft 1900 in Kraft getreten war, kam es zwischen 1896 und 1912 nicht mehr zu Sch\u00fctzenfesten. Allerdings hat zu dieser Zeit das Vereinsleben der Gesellschaft nicht geruht. Offenbar war die Gesellschaft finanziell nicht in der Lage, w\u00e4hrend der genannten 12 Jahre Prunkfeierlichkeiten durchzuf\u00fchren. Bezeichnend hierf\u00fcr, da\u00df nach dem Vogelschie\u00dfen am 5. Juni 1901 die Kasse nur ganze 2 Pf aufwies. Die Kasse der Cl\u00f6rather Sch\u00fctzengesellschaft wurde insbesondere durch die Kosten f\u00fcr die Musikleute strapaziert.<br>W\u00e4hrend die Anrather Sch\u00fctzengesellschaften kaum lange Anmarschwege vom Vereinslokal zu bestreiten hatten, war dies in Cl\u00f6rath anders. Wenn davon ausgegangen wird, da\u00df mit Musik die Majorit\u00e4t und der K\u00f6nig in Cl\u00f6rath zun\u00e4chst zum Kirchgang und anschlie\u00dfend zu Festz\u00fcgen oder Prunkparaden abgeholt werden mu\u00dfte, ergaben sich oft Kosten f\u00fcr Musik f\u00fcr einen Anmarschweg bis zu 10 Kilometer. Gerade dieses Problem bewirkte, da\u00df oft Cl\u00f6rather Sch\u00fctzenfeste mit einem Defizit endeten, das von den Mitgliedern bestritten werden mu\u00dfte.<br>Auch in Zeiten, wo keine Sch\u00fctzenfeste stattfanden, war das Vereinsleben der Cl\u00f6rather Sch\u00fctzen von f\u00fcnf gro\u00dfen Ereignissen w\u00e4hrend des Jahres gekennzeichnet.<br>Das Veranstaltungsjahr begann meist mit einem Winterfest beim Gastwirt Hax in Cl\u00f6rath. Mit diesem Winterfest war eine Vollversammlung verbunden, auf der die Veranstaltungen des laufenden Jahres beschlossen wurden. Dieses Winterfest wurde \u00fcberwiegend auf den Fastnachtsmontag festgelegt. In der Woche vor Fronleichnam fand man sich zu einem gem\u00fctlichen Zusammensein beim Vereinswirt Buscher in Anrath zusammen, um das Silber zu sichten und zu putzen. Neben anderen kirchlichen Anl\u00e4ssen war es f\u00fcr die Cl\u00f6rather Sch\u00fctzen eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit, den Leib des Herrn w\u00e4hrend des Fronleichnamsfestes zu begleiten. Vor der Anrather Fr\u00fchkirmes wurde dann der Vogel bei Simons (M\u00e4rschen) geschossen und unter der Vogelstange beschlossen, ob \u201eaufgezogen&#8220; werden sollte. Dann kam es zu gro\u00dfen Prunkfeierlichkeiten w\u00e4hrend der Anrather Fr\u00fchkirmes, wo das Cl\u00f6rather Sch\u00fctzenmilit\u00e4r zu Pferde aufzog. Von alters her geh\u00f6rte es zur Tradition, da\u00df im Saale Schmitz an zwei Tagen Tanzveranstaltungen im Rahmen der Prunkfeierlichkeiten abgehalten wurden. Das Veranstaltungsjahr wurde dann mit der Anrather Herbstkirmes abgeschlossen, wo wiederum im Saale Schmitz von den Cl\u00f6rather Sch\u00fctzen \u201eB\u00e4lle&#8220; abgehalten wurden.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter\"><img  title=\"\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.johannes-schuetzen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/8-HausCloerath.jpg\"  alt=\"8-HausCloerath Geschichte bis 1975\" \/><figcaption>Haus Cl\u00f6rath soll 1794 zerst\u00f6rt worden sein.<br>Im Vordergrund die Ruine des Schlosses, die heute noch sichtbar ist.<br>Die an der Ruine liegende Scheune ist inzwischen abgerissen.<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach einer 12j\u00e4hrigen Pause feierten die Cl\u00f6rather Sch\u00fctzen 1912 wieder ein gro\u00dfes Sch\u00fctzenfest anl\u00e4\u00dflich ihres 250j\u00e4hrigen Bestehens. Unter dem Sch\u00fctzenk\u00f6nig Jakob Schmitter wurden gro\u00df angelegte Prunkfeierlichkeiten durchgef\u00fchrt. Bedingt durch die anschlie\u00dfenden Kriegsjahre ruhte das Vereinsleben der Gesellschaft bis zum Jahre 1919. F\u00fcr den in der Zwischenzeit verstorbenen Sch\u00fctzenk\u00f6nig \u00fcbernahm dessen Bruder, Martin Schmitter, die K\u00f6nigsw\u00fcrde.<br>Ab 1919 wurde dann m\u00fchsam versucht, das Vereinsleben wieder zu aktivieren. Im Jahre 1920 fand in der Gastst\u00e4tte Hax eine Generalversammlung statt, wozu das bei dem Vereinswirt Buscher gelagerte Silber herbeigeholt und auf seine Vollst\u00e4ndigkeit gepr\u00fcft wurde. Wegen der unsicheren Zeiten die Cl\u00f6rather Bauern waren insbesondere durch die Separatistenzeit sehr in Mitleidenschaft gezogen wurde beschlossen, das Silber in einem sicheren Tresor der Kreissparkasse in Krefeld zu lagern; das Silber und die Fahne mit den dazugeh\u00f6renden Sch\u00e4rpen f\u00fcr 1200, Mark zu versichern.<br>Auch in den schweren Notzeiten, die zudem mit zunehmender Geldentwertung gekennzeichnet waren, verloren die Cl\u00f6rather Sch\u00fctzen den Mut nicht, weiterhin Feste abzuhalten. So wurde 1921 in der Gastst\u00e4tte Hax zur Fastnacht ein Winterfest abgehalten, wozu die Cl\u00f6rather Landwirte 200 Pfund Weizen stifteten, damit Kuchen gebacken werden konnte. Am 2. Oktober 1921 wurde in Anrath die Fahne der Kleinkempener Sch\u00fctzengesellschaft geweiht, woran 21 Cl\u00f6rather Sch\u00fctzen mit 7 Mann Musik teilnahmen.<br>Nach dem 1. Weltkrieg kam es erst zur Fr\u00fchkirmes des Jahres 1922 anl\u00e4\u00dflich des 260j\u00e4hrigen Bestehens wieder zu einem gro\u00dfen Sch\u00fctzenfest, wo u. a. B\u00fcrgermeister Hermanns aus Neersen und Landrat G\u00f6rg aus M\u00f6nchengladbach als Ehreng\u00e4ste genannt werden.<br>Die Inflationszeit brachte viele kuriose Geschichten. so auch f\u00fcr die Cl\u00f6rather Sch\u00fctzen.<br>W\u00e4hrend der Sp\u00e4tkirmes 1922 beschlo\u00df die Gesellschaft, von dem Kassenbestand in H\u00f6he von 10170,52 Mark eine Ged\u00e4chtnisschleife zum 260j\u00e4hrigen Bestehen der Gesellschaft zu beschaffen. Fr\u00e4ulein Leniken Fleus aus Krefeld wurde mit der Anfertigung der Schleife zum Preis von 7000, Mark beauftragt. Durch die zunehmende Geldentwertung stieg jedoch bis zur Fertigstellung der Schleife der Preis auf 15685, Mark, der aus dem vorhandenen Kassenbestand nicht bezahlt werden konnte. Daraufhin erkl\u00e4rte sich die Herstellerin bereit, anstatt des Geldes auch Lebensmittel zu nehmen, die dann w\u00e4hrend einer Generalversammlung von den Cl\u00f6rather Landwirten gestiftet wurden. Die Schleife wurde w\u00e4hrend des Winterfestes zu Fastnacht 1923 in dem Vereinslokal Buscher in Anrath angeheftet. Hierzu mu\u00dfte jeder Teilnehmer einen entsprechenden Wetz Mehl und 2000, Mark beisteuern. Es wurden 120 Pfund Mehl gesammelt, wovon 70 Pfund zu je 800, Mark verkauft wurden. Dar\u00fcber hinaus spendeten die Festteilnehmer 112800, Mark.<br>Am 7. Mai 1923 fa\u00dften die Cl\u00f6rather Sch\u00fctzen w\u00e4hrend einer Vollversammlung den Beschlu\u00df, auch in diesem Jahre wieder am Schie\u00dfstand der Gesellschaft bei Simons (M\u00e4rschen) den Vogel zu schie\u00dfen und zur Herbstkirmes ein Konzert zum Besten der Kirche zu geben. Der Vogelschu\u00df wurde jedoch durch die Besatzungsmacht verboten, so da\u00df am 21. Mai 1923 lediglich ein Konzert mit anschlie\u00dfendem Ball sattfand. Aus den daraus erzielten Einnahmen in H\u00f6he von 260300, Mark wurden der Anrather Kirche 100000, Mark zugef\u00fchrt. Um den Kassenbestand der Gesellschaft in H\u00f6he von 906540,51 Mark wertbest\u00e4ndig anzulegen, kauften die Cl\u00f6rather Sch\u00fctzen 425 Pfund Roggen zum Preise von 800000, Mark und 300 Einla\u00dfkarten f\u00fcr 91000, Mark. Der Roggen wird als Kassenbestand bis 1925 gef\u00fchrt, wo er dann f\u00fcr 44,62 Mark verkauft wurde.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright\"><img  title=\"\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.johannes-schuetzen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/9-Wappen.jpg\"  alt=\"9-Wappen Geschichte bis 1975\" \/><figcaption>Allianzwappen von Brienen &#8211; von B\u00fcren, aufgenommen an der Mauer von Haus Cl\u00f6rath im Jahr 1965.<br>Brienen: in Silber ein rotes Einhorn, das sich auf dem Helm wiederholt.<br>B\u00fcren: in Rot ein silberner, doppelt gezinnter Balken. Auf dem Helm zwei Keulen; der Wappenstein zeigt dagegen \u00fcber einem Wulst einen b\u00e4nderverzierten Hut.<br>Das Herzschild gibt das Wappen der Cl\u00f6rland wieder: zwei (blaue) Querbalken auf Silber.<br>(P.Vander)<br>Der Wappenstein wurde aus der Ruine des Hauses Cl\u00f6rath ausgebaut und befindet sich heute an der Au\u00dfenwand des Hauses Stockum.<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am 2. M\u00e4rz 1925 beschlo\u00df die Gesellschaft, eine neue Fahne zu kaufen. Sie beauftragte 8 Mitglieder, nach Kevelaer zu fahren, dort Fahnen zu besichtigen und eine Bestellung aufzugeben. Die f\u00fcr 68, Mark gekaufte Fahne wurde am 17. Mai 1925 geweiht. Die Fahnenweihe begann nach einem gro\u00dfen Zapfenstreich am 16. Mai mit dem Festgottesdienst am 17. Mai 1925 unter Beteiligung aller Anrather Sch\u00fctzenvereine und anschlie\u00dfender Nagelung der Fahne bei Jean Schmitz durch Pastor Hack und B\u00fcrgermeister Neusen. Nach einem gro\u00dfen Festumzug unter gro\u00dfer Beteiligung Anrather und ausw\u00e4rtiger Vereine wurden am Abend die Festlichkeiten mit einem gro\u00dfen Ball bei Wilh. Schmitz beschlossen. Wegen dieser Feierlichkeiten kam es w\u00e4hrend einer Generalversammlung am 20. Mai 1925 zu gro\u00dfen Auseinandersetzungen, da verschiedene Mitglieder die Meinung vertraten, da\u00df das Fest zu gro\u00df angelegt worden w\u00e4re. Grund der Auseinandersetzungen war ein Defizit der Kasse in H\u00f6he von 223,01 Mark. Dieser Fehlbetrag wurde auf die Mitglieder umgelegt und auch bezahlt.<br>Nach dem Vogelschie\u00dfen am 1. Juni 1925 mu\u00dfte eine Versammlung einberufen werden, weil der bisherige Saalwirt Wilh. Schmitz f\u00fcr die Tanzveranstaltungen am 14., 15. und 16, Juni f\u00fcr je Tag 100, Mark an Miete forderte. Die am gleichen Abend gef\u00fchrten Verhandlungen mit dem Wirte Wahlen ergaben, da\u00df dieser sich bereit fand, in seinem Hofe ein Zelt aufstellen zu lassen und auch die Kosten f\u00fcr Musik zu \u00fcbernehmen. Wie der Chronist bemerkte, entstanden der Gesellschaft aus diesem Sch\u00fctzenfest keine Einnahmen und auch keine Ausgaben.<br>Die Finanzlage der Gesellschaft erlaubte es den Cl\u00f6rather Sch\u00fctzen, da\u00df sie am 22. Februar 1926 beim Schreiner Wahlen aus Anrath einen Fahnenschrank f\u00fcr 137, Mark und bei Helling einen Spiegel f\u00fcr 97,50 Mark kaufen konnten.<br>Obwohl es in den folgenden Jahren j\u00e4hrlich zum Vogelschu\u00df bei Simons kam, zogen die Cl\u00f6rather Sch\u00fctzen zu Prunkfeierlichkeiten nicht immer auf. In der Chronik werden hierf\u00fcr verschiedene Gr\u00fcnde genannt. Dem \u201eUneins&#8220; mit den Anrather Wirten und dem B\u00fcrgermeisteramt werden noch Schwierigkeiten wegen der \u201eallgemeinen schlechten Zeiten&#8220; angef\u00fcgt. Auch schien das Interesse aller Mitglieder der Gesellschaft am Vereinsleben recht unterschiedlich gewesen zu sein. So wurde am 2. Mai 1932 der Beschlu\u00df gefa\u00dft, da\u00df die Mitglieder, die den \u201eZug&#8220; nicht mitmachen wollen, ein Strafgeld von 50 Pf zu zahlen h\u00e4tten.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft\"><img  title=\"\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.johannes-schuetzen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/10-Haxhof.jpg\"  alt=\"10-Haxhof Geschichte bis 1975\" \/><figcaption>Zerst\u00f6rter Haxhof in Cl\u00f6rath nach der Unwetterkatastrophe von 1891. Bei dieser Unwetterkatastrophe wurde in Anrath 23 H\u00e4user zerst\u00f6rt. 8 H\u00e4uer mussten, weil sie vom Einsturz bedroht waren, abgerissen werden. 52 Wohnungen wurden schwer besch\u00e4digt. 120 Nebenh\u00e4user lagen zertr\u00fcmmert am Boden. 500, das waren fast alle D\u00e4cher in Anrath, waren mehr oder minder besch\u00e4digt. Der Gesamtschaden wurde damals vom Pfarrer Krichel auf 400.000,- Mark gesch\u00e4tzt.<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bis zum Jahre 1936 beschr\u00e4nkte sich das Vereinsleben der Cl\u00f6rather Sch\u00fctzen auf gem\u00fctliche Zusammenk\u00fcnfte w\u00e4hrend des Winterfestes und das Silberputzen vor Fronleichnam sowie auf Konzerte und Tanzveranstaltungen. Wegen der Schwierigkeiten mit den Anrather Wirten wurde 1935 erstmals das Sch\u00fctzenfest in Cl\u00f6rath abgehalten, indem man neben dem Buscherhof (Adrian) ein Festzelt aufstellte und dort die \u201eCl\u00f6rather Kirmes&#8220; feierte. Der Festwirt war \u201eKarl von Vennheide&#8220;, der die Sch\u00fctzen und G\u00e4ste mit \u201eRhenania&#8220; betreute. In der gleichen Weise wurde auch das Sch\u00fctzenfest in Cl\u00f6rath im Jahre 1936 gefeiert, wor\u00fcber die Anrather Zeitung \u00fcber den Hauptfesttag am Montag der Fr\u00fchkirmes wie folgt berichtet: Schon am fr\u00fchen Nachmittag begann das Schie\u00dfen um den neuen Sch\u00fctzenk\u00f6nig und bald konnte als Meistersch\u00fctze der kom. General Matth. Wahlen zum Sch\u00fctzenk\u00f6nig proklamiert werden. Gegen 6 Uhr lie\u00df der Hauptmann die Sch\u00fctzen im Zelt antreten zur K\u00f6nigsparade, die er auf der Stra\u00dfe am Cl\u00f6rather Postamt (fr\u00fcher Miertz als l\u00e4ndlicher Posthalter heute, erstes Haus hinter dem Bahn\u00fcbergang links in Richtung S\u00fcchteln) stattfand, wo auch die Trib\u00fcne f\u00fcr die Ehreng\u00e4ste und die Sch\u00fctzenk\u00f6nige errichtet war. Eine gro\u00dfe Anzahl Schlachtenbummler, Zuschauer, sowie Photom\u00e4nner und Presseleute hatten sich eingefunden, um der Parade beizuwohnen.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft\"><img  title=\"\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.johannes-schuetzen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/11-QuirinusKapelle.jpg\"  alt=\"11-QuirinusKapelle Geschichte bis 1975\" \/><figcaption>Quirinus-Wallfahrts-Kapelle in Cl\u00f6rath mit einer alten Inschrift aus dem Jahre 1610:<br>&#8222;Die diesen Bedrueg wandelen wollen herbey. Wollen engedenk sein, de\u00df hilligen Mans seindt frem, zu Dich hab ich geholfen aher Hilff. Das ich nit zu Schaden zu werden.&#8220;<br>Eine Restaturierung der Kapelle erfolgte im Jahr 1966\/67.<br>Nach m\u00fcndlicher \u00dcberlieferung wurde die Kapelle 1610 aus einem Streit der Nachbarh\u00f6fe Schager und Kappertz erbaut, den Theis Huisken (Pastor zu Anrath von 1621-1647) beilegte.<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der letzte Sch\u00fctzenk\u00f6nig Martin Schmitter trug den sch\u00f6nen, historischwertvollen Silberschmuck des Sch\u00fctzenvereins, obschon der General Matth. Wahlen ja jetzt eigentlicher Sch\u00fctzenk\u00f6nig war. Da war nun guter Rat wertvoll, denn als Sch\u00fctzenk\u00f6nig die Parade zu kommandieren, ging nicht an. Doch mit salamonischer Weisheit wu\u00dften sich die Cl\u00f6rather ausgezeichnet zu helfen. Nachdem alle Ehreng\u00e4ste, unter denen wir B\u00fcrgermeister Hermanns (Neersen) und Beigeordneten Feies, sowie nach altem Brauch und Herkommen Dechant Pfarrer Hack (Anrath) mit seinen beiden Kapl\u00e4nen bemerkten, die Trib\u00fcne bestiegen hatten, ebenso der alte und neue Sch\u00fctzenk\u00f6nig, konnte die Parade stattfinden, die vom Sch\u00fctzenhauptmann schneidig kommandiert wurde. Das Leibpferd des Generals und Sch\u00fctzenk\u00f6nigs wurde als Handpferd vom Adjutanten im Paradeschritt an der Trib\u00fcne vorbeigef\u00fchrt und mit einem nassen und einem heiteren Auge nahm er diese Tatsache zur Kenntnis.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright\"><img  title=\"\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.johannes-schuetzen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/12-hlSebastian.jpg\"  alt=\"12-hlSebastian Geschichte bis 1975\" \/><figcaption>Die f\u00fcr den hl.Sabastian gehaltene Figur soll ebenfalls aus der Volkskunst des 15.Jahrhunderts stammen.<br>Die Figur befand sich urspr\u00fcnglich in der Quirinuskapelle in Cl\u00f6rath und ist jetzt sichergestellt.<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Man mu\u00df sich eben zu helfen wissen. Nach der Parade fand im Zelt die feierliche Proklamierung und Einf\u00fchrung des neuen Sch\u00fctzenk\u00f6nigs und seiner Gemahlin, der K\u00f6nigin statt. Matth. Wahlen ist immer dabei, wenn es gilt die Sch\u00fctzensache zu unterst\u00fctzen. Und in der Reihe der Cl\u00f6rather Sch\u00fctzenk\u00f6nige findet sich sein Name nicht zum erstenmale. Aus dem benachbarten Pfarrort Anrath waren zur Feier viele Freunde und Bekannte erschienen, die in echter Volksverbundenheit den Hauptpunkt des Cl\u00f6rather Sch\u00fctzenfestes mitfeierten &#8230;&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der St. Johannes Sch\u00fctzenbund Vennheide<br>Von Gottfried Daum \u20201975<br>F\u00fcr die nachfolgende Ver\u00f6ffentlichung schulde ich der Familie Heinrich Berger in Vennheide Dank, die mir das alte Archivmaterial und das Sch\u00fctzensilber der oben genannten Gesellschaft zur Auswertung<br>\u00fcberlie\u00df.<br>Wie bereits aus den Ver\u00f6ffentlichungen \u00fcber die Geschichte der St. Johannes Sch\u00fctzengesellschaft Cl\u00f6rath bekannt, hatten die Cl\u00f6rather Gesellschaft und der Sch\u00fctzenbund Vennheide einen gemeinsamen geschichtlichen Ursprung aus dem fr\u00fchen 17. Jahrhundert. Bis 1886 waren beide Sch\u00fctzengesellschaften unter dem Unterbrucher Spiel (\u201eDas Spell von der Schager Heide&#8220;) mit der \u00e4ltesten Sch\u00fctzenplatte von 1662 bekannt.<br>Durch l\u00e4ngere Streitigkeiten trennte sich dann 1886 das alte Unterbrucher Spiel in zwei Sch\u00fctzengesellschaften. So entstanden die St. Johannes Sch\u00fctzengesellschaft Cl\u00f6rath und der Vennheider Sch\u00fctzenbund. Bei der Aufteilung des Sach und Geldverm\u00f6gens ging das alte Sch\u00fctzensilber nach Cl\u00f6rath und die Fahne nach Vennheide. Au\u00dferdem wurden den Cl\u00f6rathern noch 15 Mark zugesprochen. Vennheide behielt sich vor, 2 Silberplatten aus dem alten Silber in Anspruch zu nehmen. Neue Sch\u00fctzengrenzen wurden gebildet. Die Cl\u00f6rather bildeten ihre Sch\u00fctzengrenze ab dem G\u00f6rtzhof (heute Wolters) bis zum Schmitzstrauch (heute Dellen). Die Vennheider gliederten in ihre Sch\u00fctzengrenze den B\u00f6kel, den Bruch, Hagwinkel und Giesgesheide ein.<br>Im M\u00e4rz 1974 wurde nach einer zweij\u00e4hrigen Vorbereitungszeit die Sch\u00fctzentradition wieder \u201ebelebt&#8220;<br>und w\u00e4hrend mehrerer B\u00fcrgerversammlungen ein Zusammenschlu\u00df der beiden Sch\u00fctzengesellschaften unter dem Namen: \u201eSt. Johannes Sch\u00fctzengesellschaft 1662 Cl\u00f6rath\/Vennheide&#8220; beschlossen und die vor 1886 g\u00fcltigen Sch\u00fctzengrenzen hergestellt. Dies bedeutet einen neuen hoffnungsvollen Anfang, der bereits zur Gestaltung des ersten Sch\u00fctzenfestes im Jahre 1975 f\u00fchrte.<br>Nachdem die Geschichte der St. Johannes Sch\u00fctzengesellschaft Cl\u00f6rath bereits ver\u00f6ffentlicht wurde, bleibt nunmehr nachzuholen, die Geschichte des St. Johannes Sch\u00fctzenbundes Vennheide der \u00d6ffentlichkeit zug\u00e4ngig zu machen.<br>Das \u201eSch\u00fctzenh\u00e4uflein&#8220; beider Gesellschaften war 1881 arg zusammengeschmolzen. So wurde am 29. Mai 1881 mit elf Cl\u00f6rather Stimmen gegen drei Vennheider Stimmen w\u00e4hrend einer Generalversammlung beschlossen, da\u00df die Vogelstange auf dem Grundst\u00fcck des Heinrich Klaus (heute M\u00fcller), wo der Anp\u00e4chter Peter Wirtz als Verhandlungspartner auftrat, gegen eine Jahrespacht von 2 Thalern aufgestellt wird.<br>Mit \u201eMajorit\u00e4t&#8220; wurde am 6. Juli 1884 beschlossen, da\u00df eine neue Fahne angeschafft und die Verhandlungen mit den \u201eFabriken&#8220; dem Vorstand \u00fcbertragen werden sollten. Im gleichen Jahre hatte die Gastst\u00e4tte Wahlen in Anrath der Sch\u00fctzengesellschaft das Vereinslokal gek\u00fcndigt, und der Gastwirt Vittes Krewinkel in Anrath erkl\u00e4rte sich bereit, der Sch\u00fctzengesellschaft ein neues Vereinslokal zur Verf\u00fcgung zu stellen.<br>Die Beschl\u00fcsse wurden vom Vorstand gegengezeichnet, dem 1884 angeh\u00f6rten:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Lon Henne\u00dfer<br>Johann Kerstgen<br>Pet. Born<br>H. Klaus<br>Math. Hender<br>Engelbert Hages<br>H. Schankweiler.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter\"><img  title=\"\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.johannes-schuetzen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/15-HausStockum.jpg\"  alt=\"15-HausStockum Geschichte bis 1975\" \/><figcaption>Haus Stockum war ein Ritterlehen der Abtei Gladbach, das im Laufe der Jahrhunderte an verschiedene adlige Familien der Landschaft verliehen wurde. Das Geschlecht von Hasselholtz erbaute 1619 den malerischen Backsteinbau mit seinen zwei gegen\u00fcberliegenden T\u00fcrmen und den eigenartig vorgekragten achtseitigen D\u00e4chern. 1925 wurde das Burghaus wiederhergestellt. (P.Vander)<br>Haus Stockum liegt zwischen Vennheide und Cl\u00f6rath westlich im Bruch.<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1886 kam es dann zur Spaltung des Unterbrucher Spieles nach einer 224j\u00e4hrigen Vereinsgeschichte.&nbsp;Offenbar gab es schon seit 1880 zu grundlegende Meinungsverschiedenheiten in der alten Gesellschaft. Zum Beispiel w\u00e4hrend einer Generalversammlung am 31. Dezember 1882 wurde in einer Kampfabstimmung beschlossen, da\u00df als neue Mitglieder nur k\u00f6lnisch Katholische in die Sch\u00fctzengesellschaft aufgenommen werden. Obwohl keine schriftlichen Unterlagen vorhanden sind, wird von alten Sch\u00fctzenbr\u00fcdern erz\u00e4hlt, da\u00df die Trennung wegen Schwierigkeiten bei der Erhebung des K\u00f6nigsgeldes au\u00dferhalb Cl\u00f6rath entstanden sei. Aufschlu\u00df k\u00f6nnte eine Notiz vom 7. Juni 1887 geben, die lautet: \u201e .. wurde vorn Vorstand der Vennheider Gesellschaft beschlossen, die an Cl\u00f6rath zu zahlenden 45 Mark durch freiwillige Zeichnungen aufzubringen.&#8220; Au\u00dferdem konnte \u00fcber eine neue Satzung keine Einigkeit erzielt werden. Ein w\u00f6rtlicher Protokollauszug von der Generalversammlung vom 6. Juni 1886 lautet:<br>\u201eTrennung der Sch\u00fctzengesellschaft von Cl\u00f6rath, Vennheide, Gisgesheide, B\u00f6kel, Hagwinkel.<br>Die zusammen geschmolzene Sch\u00fctzengesellschaft gerieth in Streit \u00fcber ein aufgestelltes Vereinsstatut, welches die Cl\u00f6rather nicht anerkennen wollten. Sie trugen jetzt an auf Trennung. Dieselbe kam nun folgenderma\u00dfen zustatten. Es wurden 4 Vertreter gew\u00e4hlt, zwei von Cl\u00f6rath und zwei von der anderen Seite, welche dann am 7. Juni im Lokal Krewinkel zusammen trafen, woselbst die Trennung unter folgenden Bedingungen stattfand.<br>Cl\u00f6rath erh\u00e4lt das alte Silber zur\u00fcck und eine Platte, welche seit dem Jahre 1880 von Cl\u00f6rather Seite dazu gekommen ist. (pers. Anm.: Johann Lauffen, Cl\u00f6rath, \u201eHadend\u00fcvel&#8220;)<br>3 Platten erhielt der andere Theil. (Anm.: Wilh. Weyers 1880, P. Born vom B\u00f6kel 1882, J. M\u00fcller von Vennheide 1884)<br>Silberschrank und Vogelstange erhielt Cl\u00f6rath u. 15 Mark. Dagegen erhielt der neue Theil Fahne nebst Sch\u00fcrpen.<br>Dieses beglaubigen die Vertreter des neuen Theil:<br>Ch. Schankweiler, Lor. Henne\u00dfer.&#8220;<br>Am 10. Juli 1887 fand vom Vennheider Sch\u00fctzenbund die erste Generalversammlung in der Gastst\u00e4tte Meimanns in Vennheide statt. Die Cl\u00f6rather Sch\u00fctzen hatten sich inzwischen f\u00fcr das Vereinslokal Buscher in Anrath entschieden.<br>Hier wurde der Beschlu\u00df gefa\u00dft, eine neue Vereinsfahne mit einer neuen Beschriftung anzuschaffen. Bei den Vorstandswahlen wurden f\u00fcr den neuen Verein gew\u00e4hlt: Als Pr\u00fcfenlant Lorenz Hennefer, als Wiege und Kuffatzf\u00fchrer Karl Laufen, Heinrich Paars als Schriftf\u00fchrer. Als Beisitzer: H. Schankweiler, Jakob Klausen, Math. Stender, Chr. Pfannen, M. K\u00fcttmanns, Franz Angenheister. Durch \u201eMajorit\u00e4t&#8220; wurde beschlossen, da\u00df der Verein von jetzt ab St. Johannes Sch\u00fctzenbund hei\u00dfen soll.<br>W\u00e4hrend einer weiteren Generalversammlung am 19. Juni 1888 in der Gastst\u00e4tte P. H. Grefertz (Malbauer) wurden als Beisitzer gew\u00e4hlt: Math. P\u00fcttmann, Johann M\u00fcller aus Giesgesheide, Hein. Schmitz, Adam Fothers, Christ. Plick, Peter Pl\u00f6cks. Als neuer Vorstand im Jahre 1889 treten auf: Hein. Neckels als Pr\u00e4sident, als Kassierer Ferdinand B\u00f6kels, als Schriftf\u00fchrer Peter Grefertz und als Beisitzer die Sch\u00fctzen Hein. Giebels, Hein. Panners, Josef Schnauber, Peter Porn, Wilhelm Peters und Josef Schl\u00fcppers.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft\"><img  title=\"\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.johannes-schuetzen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/16-Kirschhof.jpg\"  alt=\"16-Kirschhof Geschichte bis 1975\" \/><figcaption>Kirschhof in Oedt-Hagen hinter den &#8222;Schmitstr\u00e4uchern&#8220;.<br>Dieser 300 Jahre alte Hof wurde von seinen jetzigen Besitzern, der Familie R\u00f6hm, in der urspr\u00fcnglichen Form in den Jahren 1972 bis 1974 wiederhergestellt.<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In einer au\u00dferordentlichen Generalversammlung am 15. Dezember 1889 wude beschlossen, da\u00df zur Einweihung des Kreuzweges in der Missionskapelle der Sch\u00fctzenbund hilft, das Fest zu versch\u00f6nern und dabei auf Kosten des Vereins 70 B\u00f6ller abzubrennen. Hier wird festgehalten, da\u00df der Verein 50 Mitglieder z\u00e4hlt.<br>Am 4. Mai 1890 wurde eine Generalversammlung einberufen und beschlossen, da\u00df von den Statuten weil diese auf die Dauer nicht haltbar seien abger\u00fcckt werden sollte. Der jeweilige Sch\u00fctzenk\u00f6nig war auch gleichzeitig Pr\u00e4sident, der den Auftrag bekam, da\u00df jeweils von ihm die Silberb\u00fcrgen unter der Vogelstange mit dem Vorstand auserw\u00e4hlt werden.<br>Im Jahre 1890 beteiligte sich der Sch\u00fctzenbund an den Jubil\u00e4umsfeierlichkeiten des Pfarrers Laurenz Krichel, wogegen er im Jahre 1891 eine Beteiligung an der Ged\u00e4chtnisfeier f\u00fcr den verstorbenen Zentrumsf\u00fchrer Windhorst ablehnte.<br>F\u00fcr den 6. Januar 1891 hatten die Junggesellen B\u00fcrgersch\u00fctzen aus Anrath die Vennheider Sch\u00fctzen in die Gastst\u00e4tte Dickmann eingeladen, um \u00fcber die Platzfrage beim allgemeinen Sch\u00fctzenfest zu beraten, wobei die Viersener Stra\u00dfe als die geeignetste bestimmt wurde.<br>W\u00e4hrend der Generalversammlung am 24. September 1893 wurden folgende wichtige Beschl\u00fcsse gefa\u00dft:<br>1. Eine Abteilung sollte anstatt in Grenadieruniformen in J\u00e4geruniformen auftreten. Eine J\u00e4geruniform kostete 1,50 Mark, wozu der Verein f\u00fcr 12 Sch\u00fctzen je einen Zuschu\u00df von 0,50 Pf bewilligte. In der Generalversammlung wurde Unmut dar\u00fcber ge\u00e4u\u00dfert, da\u00df Unzufriedenheit beim \u201ediesj\u00e4hrigen Aufzug&#8220; dar\u00fcber geherrscht habe, wie der Sch\u00fctzenk\u00f6nig mit dem \u201eTraktieren&#8220; des K\u00f6nigsgeldes verfahren habe. Der K\u00f6nig reagierte mit der Erkl\u00e4rung, da\u00df er sich von nun an um nichts mehr k\u00fcmmern werde, worauf der Antrag eingebracht wurde, das Amt des K\u00f6nigs von dem Amt des Pr\u00e4sidenten zu trennen. Dieser Antrag wurde jedoch abgelehnt.<br>2. Durch Stimmenmehrheit wurde beschlossen, da\u00df die Firma Wilh. Koch aus Krefeld damit beauftragt wird, 6 neue Sch\u00e4rpen in Cr\u00f6me und Gr\u00fcn zum Preis von 12 Mark per St\u00fcck zu liefern. Am 28. Januar 1894 wurden die Sch\u00e4rpen in der Gastst\u00e4tte Berger dem Vorstand vorgelegt, angenommen und bezahlt.<br>3. Dem Agenten Dicker wurde die Sch\u00e4tzung des Vereinsverm\u00f6gens \u00fcbertragen, um eine Feuerversicherung abzuschlie\u00dfen. Das Vereinsverm\u00f6gen umfa\u00dfte nach dieser Sch\u00e4tzung 571 Mark, das am 14. Februar 1894 durch die \u00dcbergabe einer Police versichert wurde.<br>Wegen des \u201eschlechten Gesch\u00e4ftsganges&#8220; wurde w\u00e4hrend der \u201eVorstandsversammlung&#8220; am 24. April 1894 beschlossen, den Schu\u00df auf den Vogel von bisher 8 Pf auf 5 Pf herabzusetzen, um eine bessere Beteiligung zu erreichen. Heinrich Wefers \u201everbietet&#8220; sich in der gleichen Sitzung, Gewehre und Munition f\u00fcr nur 5 Pf je Schu\u00df zu liefern. Man einigte sich darauf, da\u00df von der Vereinskasse 3 Pf je Schu\u00df \u00fcbernommen werden.<br>Die n\u00e4chste Generalversammlung wurde am 26. Mai 1895 beim Wirte Johann Grefertz (Malbauer) unter der Anwesenheit von 17 Mitgliedern und drei Vorstandsmitgliedern abgehalten. U. a. wurde beschlossen, da\u00df unter Ber\u00fccksichtigung der Provinzialversicherung die Utensilien des Vereins beim Wirte Vogt gelagert werden. Der Vogelschu\u00df sollte wie bisher beim Wirte Wefers abgehalten werden. Der Beitrag je Schu\u00df auf den Vogel wurde auf 10 Reichspfennig festgelegt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der St. Johannes Sch\u00fctzenbund Vennheide hielt jeweils zu Pfingsten sein Sch\u00fctzenfest auf der Vennheide ab. Leider sind die alten Unterlagen ab 1900 nicht mehr auffindbar, so da\u00df die Chronik des Sch\u00fctzenbundes unvollst\u00e4ndig bleibt. Das auch bis1938 ein reges Sch\u00fctzenleben stattfand, zeigt die noch erhaltene Sch\u00fctzenkette, die ab 1900 14 Sch\u00fctzenk\u00f6nige nachweist.<br>Nach zun\u00e4chst erfreulichen Anf\u00e4ngen nach dem Kriege kam es 1954 nochmals zu einem Sch\u00fctzenfest. Der Sch\u00fctzenbund konnte bei seiner Fr\u00fchjahrsversammlung durch den Vorsitzenden Wilhelm Brons die erfreuliche Feststellung machen, da\u00df 60 aktive Mitglieder zu verzeichnen waren.<br>Zu einer folgenschweren Entscheidung kam es nach dem Jahre 1955, als der neue Sch\u00fctzenk\u00f6nig nicht aufzog und deshalb Streit entstand, indem man den Sch\u00fctzenbund aufl\u00f6ste und die vorhandene Kasse unter den Mitgliedern aufteilte.<br>Erfreulich war zu verzeichnen, da\u00df trotzdem bei der Neugr\u00fcndung der Sch\u00fctzengesellschaft St. Johannes 1662 Cl\u00f6rath\/Vennheide auch in Vennheide das Interesse f\u00fcr eine Sch\u00fctzentradition recht gro\u00df war und es zum Zusammenschlu\u00df der beiden Honschaftsteile Cl\u00f6rath und Vennheide kam.<br>Inzwischen kann man von einer gro\u00dfen Sch\u00fctzengesellschaft sprechen, die sich zur Aufgabe gestellt hat, zur diesj\u00e4hrigen Fr\u00fchkirmes nach einer langen Pause wieder die \u00fcber 300 Jahre alte Sch\u00fctzentradition mit einem Sch\u00fctzenfest aufzunehmen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Geschichte der St. Johannes Sch\u00fctzengesellschaft bis 1975Von Gottfried Daum \u2020Schon lange geh\u00f6ren die gro\u00dfen Sch\u00fctzenfeste in Anrath der Vergangenheit an. Das Sch\u00fctzensilber der Anrather Sch\u00fctzengesellschaften gibt wegen seiner Unvollst\u00e4ndigkeit nur noch wenig Zeugnis einer traditionsbewussten Sch\u00fctzengeschichte. 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